Goethes Werther ALS Leser Von Homer

Nora Profrock

Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft, Note: sehr gut, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universitat Bonn (Germanistisches Institut), Veranstaltung: Proseminar Der Held und seine Bucher, Sprache: Deutsch, Abstract: Thema dieser Arbeit ist der lesende Held in Goethes Roman Die Leiden des jungen Werther. Werthers Leseweise bestimmter Texte sowie das Verhaltnis, in dem diese Texte zu Werthers Wirklichkeit stehen, sollen dabei besonders beachtet werden. Die Erwahnung eines Buches sowohl ganz zu Anfang als auch ganz am Ende des Romans macht die Bedeutung von Buchern fur Werther deutlich. Bereits im vierten Brief schreibt Werther von Homer, und auch bei der Beschreibung seines Todes durch den Herausgeber am Ende des Romans wird ein Buch erwahnt, namlich Emilia Galotti, das aufgeschlagen auf Werthers Pult liegt. Man konnte daher sagen, dass Literatur im Werther den Gang der Dinge von Anfang bis Ende begleitet. Besondere Bedeutung kommt dabei besonders einem Werk zu, das Werther vor allem im ersten Teil des Romans mehrfach erwahnt und seiner eigenen, realen (im Gegensatz zur literarischen) Erfahrungswelt gegenuberstellt, namlich Homers Odyssee. Lieselotte Kurth weist darauf hin, dass die homerische Dichtung (neben anderen Werken) vollkommen dem Geschmack der Zeit, zu der Goethes Roman entstand, entsprach. Uber Homer schreibt Goethe selbst in Dichtung und Wahrheit: Glucklich ist immer die Epoche einer Literatur, wenn groe Werke der Vergangenheit wieder einmal auftauen und an die Tagesordnung kommen, weil sie alsdann eine vollkommen frische Wirkung hervorbringen. Auch das Homerische Licht ging uns neu wieder auf, und zwar recht im Sinne der Zeit, die ein solches Erscheinen hochst begunstigte: denn das bestandige Hinweisen auf Natur bewirkte zuletzt, dass man auch die Werke der Alten von dieser Seite betrachten lernte. Homer stand also an der Tagesordnung. Dass Werther diesen Dichter liest, ist dem